Ein Hauch von Lindwurm

Oh, meine treuen Freunde, die ihr mich noch immer so tapfer auf unserem Abenteuer begleitet,

lange schon ahnten wir es, doch heute wurde es zu unumstößlicher Gewissheit: Wir sind nicht allein in der Lindwurmfeste. Kriechendes, krabbelndes, krauchendes und kannibalistisches Getier gedeiht gänzlich gefahrlos in grünen Gefilden. Es fliegt, schwebt, sirrt, zirrpt, summt, brummt, hüpft, springt, kreucht und fleucht durch Luft, Gras und Erde, zwischen Steinen und Wurzeln, Gehölz und Gerümpel. Doch wir haben uns damit arrangiert.

Umso größer war das Erschrecken als wir heute einer weiteren Kreatur begegneten, die sich bei uns heimisch fühlt. Pfeilschnell schoss sie unter der Plane hervor, die dem Unkraut das Sonnenlicht verwehren sollte. Zwei Fuß groß schnellte ein Wesen durch das Gras und wir konnten es kaum glauben. Auf der Lindwurmfeste wohnt tatsächlich ein zweiter, ein richtiger Lindwurm! Eine Echse von beachtlichen Ausmaßen hauste all die Zeit zwischen uns und wir bemerkten es nicht! Feige flüchtete das Tier unter eine Konifere und war von da an nicht mehr zu sehen. Doch wir, meine lieben Freunde, sind um so wachsamer, um euch künftig Näheres berichten zu können.

Unser Weg führte uns weiter in die hinteren Bereiche des Lindwurmfeste. Dort errichteten wir einen Kompost, der nur für unser Burggespenst Quecke reserviert ist. Hier soll sie darben, fern von Nährstoffen, und verrotten auf dass ihre vermaledeite Herrschaft ein Ende finde!
Gestärkt nach diesem ersten Triumph und leidlich erholt von der Begegnung mit dem Miniatur-Lindwurm machten wir uns an einen schon lange aufgeschobenen Kampf. Das grässliche Gebüsch sollte nun endlich sein Leben lassen. So rang ich mit ihm, Zweig um Zweig, Ast um Ast in der Glut der Mittagssonne und es war wahrlich kein schöner Anblick. Schweißgebadet und dreckverschmiert stand ich ihm gegenüber, dem monströsen Ungetüm, das festentschlossen war, nicht einen Zentimeter zu weichen. Doch es blieb ihm am Ende nichts als seine Unterlegenheit einzusehen und sich in sein Schicksal zu fügen. Es wird erst wieder das Licht der Sonne erblicken, den Wind auf sich spüren, wenn wir auch seinen Wurzeln keine Gnade mehr zu Teil werden lassen.
Erschöpft von den Strapazen des Zweikampfes war uns keine Ruhe vergönnt. Da, ein Rascheln! Aus den Tiefen der Hecke drangen Geräusche an unsere Ohren. Das waren nicht die Laute eines Vogels, der in welken Blättern Würmer sucht. Nicht die Geräusche eines Käfers, der sich mühsam Zentimeter um Zentimeter durch das Gestrüpp kämpft. Nein, meine Freunde, es war etwas gänzlich Unerwartetes: eine Maus. Ja, eine Maus, eines dieser kleinen, grauen, knopfäugigen Tiere, die sich ihrer Possierlichkeit durchaus bewusst sind und sie schamlos ausnutzen, um in einem Moment der Unachtsamkeit die geliebten Kekse zu entwenden. Die Maus besaß telepathische Fähigkeiten, denn sie verschwand sofort im Unterholz und entzog sich unseren Blicken. Unser treuer Lindwurm hingegen hielt noch eine Weile Wacht.

Nach all diesen abenteuerlichen Berichten mögt ihr, meine Freunde, wohl an dem Guten in der Lindwurmfeste Zweifel haben. Ich darf euch jedoch versichern, dass die Momente der Glückseligkeit, des Staunens, der Freude und des Bewunderns deutlich überwogen. Denn nicht nur die Quecke streckt ihr unheilverkündendes Grün der Sonne entgegen, nein, auch unsere Samen beginnen zu wachsen und von Größerem zu träumen. Die Radieschen entfalten zaghaft ihre ersten Blätter, kleiner als ein Daumennagel. Noch etwas unbeholfen und zerknittert suchen auch die Erbsen nach dem Licht und der Wärme. Gerade zu majestätisch ist der Anblick unserer beiden Zucchini: leuchtend gelbe Blütenkleider zieren das üppige Grün.

Nun bleibt uns nichts, als euch reiche Blütenträume zu wünschen,
bis zum nächsten Abenteuer,

Majura, Rhi und Marii

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