Gartentagebuch: Berichterstattung aus der Lindwurmfeste

Meine Lieben,

lange schon habt ihr nichts Neues mehr von uns gehört. Das lag zum Großteil daran, dass diesen Monat einfach die Zeit für Videos und Blogartikel gefehlt hat. Trotzdem haben wir immer mal wieder ein bisschen gewerkelt. Nicht nur ein bisschen, genau genommen.

Im Großen…

Rhi hat aus dem kleinen Beet, in dem der Teich war, die Koniferen samt Wurzel entfernt. Das war ein ganz schöner Kampf und Kraftakt! Aber was nützt es, sie müssen eben raus. Der nette Nebeneffekt ist, dass wir wieder etwas mehr Anbaufläche haben. Ich hoffe nur, dass die Koniferenwurzeln den Boden nicht verdorben haben. Es gibt da sehr zwiespältige Meinungen zu. Da können wir wohl nur abwarten und schauen, was kommt.

Auch der Konifere am Wein ging es zu Leibe. Wir hatten sie ja schon vor einiger Zeit abgesägt, in mühevoller Handarbeit mit so einer kleinen Astsäge. Die Wurzeln samt Stumpf waren aber noch im Boden. Auch diese hat Rhi ganz allein mit all seiner Manneskraft heraus geholt. Und auch dort ist nun wieder ein Quadratmeter mehr Gemüsebeet entstanden.

Unseren ursprünglichen Plan, für den Wein eine Pergola zu bauen, haben wir erst mal auf Eis gelegt. Wieder ein mal schwebt das unheilschwangere Wort „Umzug“ über den Lindwurmfestlern und wir wissen nicht, ob wir nächstes Jahr diesen Garten noch haben werden (oder uns in den nächsten Dschungel stürzen – irgendwann kommen wir schon noch mal zum richtigen Gärtnern). Und aus den Erfahrungen der alten Lindwurmfeste heraus sind wir gerade nicht gewillt, wieder einige tausend (ja, es waren mehrere tausend) Euro in einen Garten zu stecken, den wir vielleicht nächstes Jahr schon nicht mehr haben können. Lange Geschichte, Ende vom Lied: Der Wein bekommt keine Pergola, ist aber eigentlich schon so weit über sein Rankgerüst hinaus gewachsen, dass etwas passieren musste. Da kam der Vorschlag, einfach Stricke zu spannen. Das haben wir (und mit wir meine ich Rhi) dann auch gemacht: Am Haus wurde ein kleines Brett mit Öse befestigt. Durch diese Öse laufen nun vier Schnüre vom Haus zum Weingerüst. Kunst- und mühevoll hat Rhi die Weinranken nun um die Stricke gewunden. Wir hoffen, der Wein nimmt dieses Angebot an.

…wie im Kleinen

Während Rhi sich mit den größeren Angelegenheiten rumschlug, habe ich mich den kleineren Dingen gewidmet. Ungefähr so groß wie eine Steckzwiebel. Oder ein Porreesamen. Ja, wir haben es gewagt und glauben (jetzt beten wir auch), dass der Winter nicht mehr kommt. Ein bisschen Frost überstehen die meisten Pflanzen ja. Wenn nicht: Wir haben noch eine ganze Armada an vorgezogenen Pflänzchen in der Rückhalte.

Als erste durften die Winterheckenzwiebeln in die Erde. Wieder so furchtbar fitzelig-kleine Samen. Ich frage mich auch oft, wie ich etwas, das ich direkt ins Freiland säe, mit einem oder gar nur einem halben Zentimeter Erde bedecken soll. Unsere Erde ist schon nicht grobschollig, aber so mancher Erdklumpen hat dann doch seine anderthalb Zentimeter groß. Ich tu die dann zur Seite, aber wirklich fein ist die Erde eben nicht. Naja. Entweder es kommt oder es kommt nicht.

Zumindest haben sie schon halbwegs große Vorbilder an ihrer Seite: der Knoblauch macht sich prächtig. Auch die Zwiebeln durften von den Töpfen ins Beet umziehen. Sind noch ganz schön dünn. Es fällt mir immer sehr schwer, mir vorzustellen, dass aus einem sooooo winzigen Samen mal eine fette Zwiebel wird. Oder eine monströse Zucchini.

Und weil wir schon einmal bei Zwiebeln sind: Es folgen drei Reihen Steckzwiebeln. Auf jeden Fall sind Stuttgarter Riesen dabei, dann noch so weiße, ovale (ich find den Zettel mit dem Namen nicht mehr und die Zwiebeln stammen aus einer milden Spende ;) ) und noch irgendwelche Zwiebeln. Oh je, ich bin so alt und vergesslich. Ich hoffe jetzt einfach mal auf einen lieben Kommentar *wink mit dem Zaunpfahl*. Bei Steckzwiebeln ist das Problem, dass man sie nur in die Erde steckt. Und Zwiebeln haben eine Spitze und eine…eben eine Seite, die nach unten muss. Diese ist relativ flach, die Spitze hingegen ist oft schon so ein Zipfel. Wenn man die nun in die Erde steckt, gibt es so dämliche Federtiere, die denken: Jackpot, Wurmgroßfamilientreffen! Und zupfen einem die ganzen Zwiebeln wieder raus, nur um festzustellen, dass auch die 36. Zwiebel kein Wurm war.Das muss furchtbar deprimierend sein. Für den Vogel, die Zwiebel und mich. Wir haben die Zwiebeln nun noch etwas tiefer gesteckt und versucht die Zipfel so ein bisschen mit Erde zu bedecken. Ansonsten kommt erstmalig das Vlies zum Einsatz. Vlies ist übrigens orthographisch ein total spannendes Wort. Diese Kombination von V und l, ergänzt um das ie. Wahrlich. Hat mit seinem Ursprung (lat: vellus – Schaffell) nicht mehr viel zu tun. In jeglicher Hinsicht. Schafe sind ja generell…und da war sie wieder…die mythenmetzsche Abschweifung (und dabei lese ich gerade gar kein Mythenmetz. Da kann man mal sehen, wie sehr Literatur einen beeinflusst. Gefährliches Zeug. Gefährliche Bücher.)

In den Töpfen, die durch das Aussiedeln der Zwiebeln frei geworden sind, durften direkt neue Bewohner einziehen. Es gibt einen Balkonkasten mit Porree, der hoffentlich draußen genau so gut wächst wie unser vorgezogener. Außerdem züchten wir die ultimative Nacktschneckenwaffe. Apropos Nacktschnecken: Haben die nicht meine so hart errungenen Blümchen angefressen?! Statt dass die mal ein Blatt aufessen würden, ne, lieber in alles erst mal ein Loch fräsen. Das stört mein Ästhetikempfinden. Aber, gegen Schnecken ist wortwörtlich ein Kraut gewachsen: Tagetes, die Studentenblume. Und was wäre ich für ein Student, wenn ich nicht eine solche im Garten hätte? Wenn man die (vorgezogenen) Tagetes als Beeteinfassung nutzt, dann fressen die Schnecken die Tagetes, nicht mein Gemüse. Gegen Schnecken hilft es übrigens aus, Papprollenringe um die Jungpflanzen zu legen, bis sie quasi raus gewachsen sind. Dann sind sie so groß, dass die Schnecken meistens kein Interesse mehr an ihnen haben. Denn: Schnecken fressen, wenn sie die Wahl haben, lieber schwache, zierliche, gebrechliche Pflanzen. Ja, damit meine ich unsere mühevoll vorgezogenen Kohlrabis und Rosenkohls (-köhle, -köhler, man suche sich was aus), die wir wieder mal verpasst haben richtig abzuhärten. Aber nicht dieses Jahr.

Gut, wir haben also Porree und Tagetes. Von den vorgezogenen Pflänzchen wurde einigen jetzt ihre Behausung zu klein. Wir haben sie also mit den Garten genommen und dort in größere Töpfe mit Komposterde gesetzt. Das betraf vor allem Zucchini, Butternut und Artischocke. Wir haben lange überlegt, ob wir sie schon ins Beet setzen. Geschützt durch ein Marmeladenglas o.ä. Minigewächshaus und Schneckenschutz in einem, sozusagen. Aber da wir die nächste Woche nicht in den Garten kommen, erwies sich das dann doch als unpraktisch. Man muss ja doch regelmäßig lüften. Größere Töpfe haben trotzdem alle bekommen und auch ein kleines Gewächs-Glas. Weil die Gläser meistens den gleichen Durchmesser hatten wie die Töpfe, haben wir sie wieder mit nach Hause genommen. Aber bei drei Gläsern schaut noch gut Erde raus (die Pflanzen sind auch noch sehr lütt). Die haben wir jetzt Probe halber im Garten gelassen. Das Regenwasser kommt gut an die Erde. Nur da war ja was mit dem Lüften…hach…man darf gespannt sein. Wie gesagt, wir haben genug in der Rückhalte, um uns solche Experimente erlauben zu können. Sind Pflanzenversuche ok? Denn die Pfefferminze haben wir auch beschnitten, recht radikal sogar.

Aus den getrockneten Blättern haben wir neulich einen Tee gemacht. Das gab (zum Glück nur) echt böse Bauchkrämpfe. Hat jemand eine Idee, woran das liegen kann? Ich mein, im Café trinken wir ja auch Pfefferminztee vom frischen Blatt und da passiert nichts.

Nachtrag: Die Pfefferminze ist vermutlich von einer Rostkrankheit befallen, d.h. Pilzbefall. Sie wird jetzt radikal zurückgeschnitten und bekommt einen anderen Standort. Rostkrankheiten können bei der Pfefferminze nämlich auch durch Überdüngung begünstigt werden.

Ansonsten grünt es im Garten wie wild. Die Hecke treibt aus, alle Johannisbeeren kommen wieder, die Tulpen recken schon ihre Knospen und überall blüht die Forsythie. Viele nutzen es bei uns als Hecke und das ist einfach wunderbar, wenn man an 40 Metern gelben Blütenmeeres vorbei geht.

Soooo, nun habt ihr wieder einen kleinen Einblick bekommen, wie es bei uns gerade aussieht. Bis zum nächsten Mal in der Lindwurmfeste!

Majura, Rhi und Marii

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5 Gedanken zu “Gartentagebuch: Berichterstattung aus der Lindwurmfeste

  1. heide schreibt:

    ja,ja hab den zaunpfahl entdeckt. die weißen heissen bezeichnender weise „snowball“(was `ne überraschung). die gelben runden sind „stuttgarter riesen“ und die graugelben länglichen sind winterheck(steck)zwiebeln vom herbst übriggeblieben. einen von drei punkten… fast alles richtig würde ich sagen.
    schön, daß es jetzt im garten bei euch anfängt. haben wir uns doch wohl verdient. die weinlösung halte ich für sehr gelungen.
    ich hab mich hier im garten auch nicht grad mit ruhm bekleckert. vor lauter kater- und kindersorgen hab ich alles ein bischen schleifen lassen. jetzt hab ich (nachdem die walnussäste verbrannt sind und wieder mehr platz im garten ist) mich mal ans beeten gewagt. möhren , salat und pastinaken ausgesäht. ein paar radieschen dazwischen verloren und auch noch steckzwiebeln verteilt. die saubohnen aus den papprollen verpflanzt und der rhabarber ist am kommen. kompost, asche und meerschweinchenstreu verteilt.blumenkästen mit einigen heruntergesetzten stiefmütterchen bepflanzt( die tun mir immer so leid, wenn die keiner mehr kaufen will).nun muß ich noch eine stelle für meine kartoffeln reserviren. die buddel ich nur ein bischen ein und dann kommt wieder die berühmte meerschweinchenstreu oben drauf (hat sich im letzten jahr ganz gut gemacht). da war dann noch die sache mit dem pflanzenkauf. da ich noch keine salat- und kohlrabipflanzen vorgezogen hatte, hab ich kurzerhand ein paar kästchen bei „Th.Ph.“) gekauft. mutter wie immer die brille nicht aufgehabt. zu hause waren dann rot“köhler“, blumen“köhler“ und sogar brokoli`s dabei. na salat hatte ich jedenfalls getroffen. hab jetzt alles soweit verpflanzt, mal sehen, was es letztlich wird. die jungs haben sich wiedermal vor lachen nicht eingekriegt.
    beim thema würmer ist mir wieder das gedicht von heiz erhardt „die made“ eingefallen. „hinter eines baumes rinde wohnt die made mit dem kinde. sie war witwe……
    na dann schönen urlaub und gutes gelingen!

    • Majura schreibt:

      Danke :)
      Da hast du aber ganz schön was geschafft! Wir fangen dieses Wochenende dann wieder richtig an…Komposterde verteilen, Samen durch die Gegend werfen, grünes Zeugs von den Beeten holen. Unsere Puffbohnen sind in der einen Woche Urlaub richtig gewachsen, die wollen es jetzt wissen.
      Stiefmütterchern…hm, ne. Die musste wir in der Schule so oft zeichnen, die kann ich nicht mehr wirklich sehen. Aber leid tun sie mir auch, wenn sie dann doch im Müll landen.
      Hihi, da hast du ja wieder was gemacht…unsere vorgezogenen Pflänzchen sind noch lange nicht so groß wie die, die man kaufen kann. Aber wir sind sehr erstaunt, die meisten machen sich trotzdem ganz gut, sogar die Tomaten und an Chilis haben wir definitiv zu viel. Die werden noch verteilt. Jetzt müssen sie erst mal alle verzeinzelt werden, aus unseren Pastinaken ist schon ein Urwald geworden, huiui.

  2. heide schreibt:

    ach ja, bei der pfefferminze hab ich jetzt nicht ganz verstanden. habt ihr frische , grüne blätter getrocknet und dann aufgebrüht oder waren die schon an der pflanze trocken? dann könnten vielleicht schimmelsporen drangewesen sein, denke ich. oder hat ein gartennachbar irgendwas auf seine obstbäume gespritzt, jetzt rechnet ja noch keiner damit, daß ihr was frisch aus dem garten verbraucht. also von der minze hat hier noch keiner bauchweh bekommen, im gegenteil. wenn einer krank ist, kocht mama immer tee, das hilft immer.

    • Majura schreibt:

      Wir haben die Blätter frisch gepflückt, getrocknet und dann Tee draus gemacht. Vielleicht war es einfach zu viel. Naja..wenn etwas Gras drüber gewachsen ist, probieren wir es noch mal.

  3. Majura schreibt:

    Nachtrag: Die Pfefferminze ist vermutlich von einer Rostkrankheit befallen, d.h. Pilzbefall. Sie weist jedenfalls lila Blattunterseiten und zum Teil auch Sprenkel auf.

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