Gartentagebuch: Auch im Garten bringt man Opfer

Wir haben es nun auch endlich geschafft: das Angrillen. Gleich drei mal wurde das Feuer beschworen, die Kohlen bekniet und die Männer bezirzt, damit auch etwas anderes als Fleisch auf das Grillgerät kommt. Doch nur Rumsitzen ist nicht unser Ding. Also durften unsere Ostergäste gleich ins Beet umziehen.

Durch eine Verwechslung haben wir einige Kohlpflanzen bekommen, die zugegebener Maßen wesentlich größer sind als unsere Fensterbank-Exemplare. Als ich angefangen habe, sie vorzuziehen, habe ich nur nicht bedacht, wie viel Platz so ein Kohl für sich beansprucht! 50x50cm ist da ein absolutes Minimum. Wir haben eindeutig einen zu kleinen Garten. Wo sollen denn die ganzen, mühe- und liebevoll groß gezogenen Kohle hin (ich finde diese Pluralbildung immer noch falsch)?Die ersten haben jetzt jedenfalls ihren Platz gefunden.
Statt Trampelpfaden haben wir auf diesem Beet alte Wegplatten ausgelegt. Beim Hopsen von einen Stein auf den anderen riss mir natürlich gleich mein Lieblingsrock entzwei. Rhi hat ja so Recht, wenn er immer predigt, ich soll erst die Gartenklamotten anziehen, bevor ich auch nur einen Schritt mache. Das ist schon der zweite Rock, der dem Garten zum Opfer fiel.

Apropos Opfer: Wir haben auch Tagetes aka Studentenblumen geschenkt bekommen. Die Schwiegermutter drohte ja mit Blumen beim nächsten Besuch. Da waren Tagetes wirklich eine willkommene Überraschung! Denn meine sind noch ganz, ganz winzig. Viel zu klein, um den nimmersatten Nacktschneckenhorden als Fresswall zu dienen. Pflanzt man die Studentenbumen um ein Beet, fressen sich die Schnecken lieber an ihnen satt und lassen das Gemüse in Ruhe. Tagetes sind aber nicht nur am Beetrand sehr wirkungsvoll, auch zwischen den Gemüsepflanzen stehen sie gut. Denn ihreWurzeln geben Duftstoffe ab, mit denen sie Nematoden anlocken. Diese kleinen Fadenwürmer sind beispielsweise für Wurzelfäule verantwortlich. Dringen die Nematoden dann in die Wurzeln der Studentenblume ein, werden sie durch das pflanzeneigene Gift abgetötet. Als Bodenkur sollten die Tagetes aber mindestens 100 Tage auf dem Beet stehen.

Erinnert ihr euch an unser Hochbeet, das eigentlich mal der Untergrund für einen Folientunnel werden sollte? Da dachten wir, wir tun den künftigen Bewohner etwas Gutes, decken den Boden mit dicker Pappe ab, damit kein Unkraut durchkommt, arbeiten Kleintiermist in die Komposterde. Das war ja mal ein Schuss in den Ofen. Auf jeden Quadratzentimeter kommt mindestens ein Unkrautpflänzchen, das sich durch die Pappe hindurch an den Nährstoffen bedient. Nun ist das ganze Hochbeet voller Pflanzen, die dort nicht hingehören und ich bekomme sie furchtbar schlecht heraus, weil sie so sehr mit der Pappe verwachsen sind. Also haben wir uns dazu entschlossen, Unkrautfolie über das Beet zu legen. Ich fürchte nur, wir haben Mulchfolie gegriffen. Die Folie ist schwarz und sehr dünn. Auch Mulchfolie soll ja da Unkraut unterdrücken, aber das kann ich mir bei diesem dünnen Ding kaum vorstellen. Da kommt doch Sonne durch. Egal, wir haben sie auf das Beet gelegt und beschwert und auch das Stückchen Erde um den Pflaumenbaum herum wurde mit Folie ausgekleidet, weil sich dort eine ganze Armee von Scharbockskraut auf den Weg macht, mein Erdbeerbeet zu erobern. Das kann ich auf keinen Fall zulassen, ich freue mich schon so wahnsinnig auf garteneigene Erdbeeren!

Wir haben aber auch das erste Mal zu spüren bekommen, dass der Garten wirklich keine Großbaustellen mehr hat. Wir wurden quasi gezwungen, einfach nur da zu sitzen, bis die nächsten Gartengäste ihr Stell-dich-ein gaben. Ok, ich habe noch die Lagerkartoffeln in die Erde gebracht und hier und da etwas geharkt. Aber eigentlich gab es nichts zu tun. Wie seltsam. Ein Garten, den man einfach nur genießen kann. Ich glaube, wir brauchen ein neues Dschungel-Camp ;)

Advertisements

4 Gedanken zu “Gartentagebuch: Auch im Garten bringt man Opfer

  1. heide schreibt:

    hallo ihr lieben
    jetzt hab ich auch den bogen raus. bin ja nicht so begeistert, wenn was im computer plötzlich ganz anders aussieht als sonst. jedenfalls schöne große schrift. hast du mal an die alten, gebrechlichen gedacht.
    sieht schon schön wüchsig aus bei euch, klar das unkraut schläft eben auch nicht. na ein bischen hacken oder zupfen und viel abdecken.
    hier im harz ist es grad sehr trocken. mal sehen, vielleicht kommen heute abend ein paar tropfen. ich giess ja möglichst nicht so viel um die pflänzchen nicht zu sehr zu verpimpeln. die sollen lange wurzeln bilden und sich mal ein bischen anstrengen, ans wasser zu kommen. die ganz kleinen und die vorgezogenen muß man natürlich noch unterstützen. ist ja noch einiges im regenfass. zwischen deine kohlstzlinge (ha, hab das pluralwort glatt umgangen) kannst du ruhig erstmal ein paar salatpflanzen oder wenigstens radischen bringen. dann ist die erde nicht so nackig und die unkräuter haben dann auch nicht so viel platz. ich sag ja immer, das ist alles nur wildgemüse. die meerschweinchen sind jedenfalls allemal heiß drauf. grad hab ich den ganzen garten voll löwnzahnblüten, werd ich morgen mal honig draus kochen und wenn es nicht zu doll regnet eine portion fliedersirup. den hatte ich letztes jahr verpasst. wenn die familie nicht wieder andere pläne mit mir hat, schaff ich es vielleicht sogar, ein paar von den vielen zuchinis rauszusetzen (ich hab doch nicht gedacht, daß aus jedem korn eine pflanze wird).
    übrigens werden bei mir gerade einige kohlpflanzen vom blattrand her abgefressen, hab schon mit brille geguckt aber den übeltäter noch nicht entdeckt.
    dann sonnt euch mal schön, oder was man sonst noch so im fertigen garten macht. l.g.

    • Majura schreibt:

      Das mit dem Design ist so eine Sache. Wir machen es vermutlich wieder etwas einfacher, hihi. Aber ich bin eben nicht Nerd genug, um mir selbst was zu basteln. Ab Montag sollte dann aber alles so bleiben wie es dann ist. Erst mal.
      Die Idee mit den Radieschen hatte ich auch schon. Na mal sehen, ob ich dieses Jahr auch mal ein ganzes Radieschen für mich alleine habe oder ob die kleinen Gartenbewohner wieder schneller sind.
      Natürlich ist das alles Wildgemüse! Aber unser Hamster platzt bald und Marii frisst nur Quecke, die zwischen Wegplatten wächst.
      Oh ja! Löwenzahnhonig und -tee will ich dieses Jahr auch mal probieren! Wir haben nur so wenig Löwenzahn im Garten. Ich muss noch eine Stelle finden, wo vielleicht nicht jeder Hund aus der Nachbarschaft dran gepieselt hat. Fliederhonig klingt natürlich ganz exotisch. Den muss ich dann mal kosten :)
      Das Problem mit den Zucchinis hatte ich auch. Aber die haben sich dann von selbst erledigt. Gab wohl doch noch mal Frost. Aber zum Glück sind wir nicht die einzigen, die einen Überschuss an Zöglingen produzieren und haben schon größere Zucchinis bekommen und ziehen zusätzlich selber nach.
      So ganz fertig ist man eben doch nie. Und als ob ich mich sonnen würde, pah! :P

  2. heide schreibt:

    ja, ja, wenn man wie der pöbel auf dem feld arbeitet, bekommt man auch etwas sonne ab. vorbei mit der pikfeinen, schönen mondscheinbräune.
    vom flieder mach ich nur sirup, wie vom holunder. vom löwenzahn nur honig, weil der sirup zu trüb wird. beim löwenzahn ist nur immer das problem mit dem bitterstoff. man muß die ganzen grünen teilchen abputzen. sehr mühsam.
    ist aber auch mal ne idee. wenn der flieder so bleibt, könnte man mal honig versuchen. mit holunder hab ich es ja auch schon gemacht.
    ich hatte auch schon ein paar zuchinis draußen, hatte aber eine abgeschnittene plastikflasche drübergestülpt. da sind noch alle da. also wenn ihr da noch bedarf an pflänzchen habt… na wenn alle anwachsen und dann auch noch tragen- da weiss ich ja, wo ich die dinger abgeben kann.
    bis bald

    • Majura schreibt:

      Ja, so sieht es wohl aus. Mondscheinbräune ist nicht mehr.
      Ach, ich hab doch jetzt Zeit ;) Da kann ich auch in aller Seelenruhe Löwenzahn putzen.
      Wir hatten extra so ein Vlies über den Zucchinis, aber das hat scheinbar nichts gebracht. Über einigen Pflanzen, die schon zum Abhärten draußen stehen, haben wir leere Gläser gestülpt. Die muss man nur regelmäßig lüften. Die Pflanzen haben den Frost aber gut überstanden.
      Tjaja, wenn ich schon keine Rettungsstation für heimatlose Tiere aufmachen darf, dann doch wenigstens für Zucchinis :)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s