Harvest Moon – Die große Ernte

Der Himmel ist wolkenverhangen und grau. Von der Wärme vergangener Tage ist nichts mehr zu spüren. Die Schafskälte ist angekommen. Im dicken Pullover unternehme ich den ersten Streifzug durch die Lindwurmfeste. Jede Pflanze wird kritisch begutachtet, Früchte werden besehen und befühlt. Es ist wahr, der Tag ist gekommen. Der Tag der großen Ernte.

Die Ackerbohnen sind die ersten. Welchen Schaden haben die Blattläuse angerichtet? Sind die Bohnen noch genießbar? Oder war alles umsonst? Nur die wirklich reifen Hülsen werden von der Pflanze vorsichtig abgedreht. Wir drücken die Hülsen zwischen den Samen leicht zusammen. Sind sie noch weich, bleiben sie hängen. Sind die Zwischenräume hart, werden die Bohnen gepflückt. Am Ende haben wir einen guten Eimer Puffbohnen geerntet. Alle Pflanzen, die keine  Bohnen mehr tragen, schneiden wir ab. Die hohlen Stängel legen wir auf den Kompost. Die Marienkäfer fühlen sich darin wohl. Die restlichen Dicken Bohnen dürfen noch wachsen. Zu Hause werden die Bohnen aus den Hülsen gepuhlt. Am Ende haben wir etwas mehr als ein halbes Kilo Ackerbohnen. Sie werden kurz blanchiert. Sobald sie trocken sind, werden sie eingefroren.

Dann sind die Erbsen an der Reihe. Im Dickicht suchen wir nach prallen Hülsen. Sie lassen sich leicht von den Pflanzen lösen. Von nun an werden die Erbsen alle paar Tage durchgepflückt, also nachgeerntet. So lässt sich die größte Ernte erzielen.  Auch die Erbsen werden am Abend geschält, blanchiert und eingefroren. Rund 400g sind es geworden.

Auch für den Knoblauch ist die Zeit gekommen. Man erkennt es gut an der Gelbfärbung der Blätter, die inzwischen von alleine umfallen. Knoblauch wird NIE aus der Erde gezogen! Dabei kann der Knoblauch abreißen und ist somit nicht mehr lagerfähig. Man gräbt ihn vorsichtig aus. Leider haben einige dicke Koniferenwurzeln das Wachstum der Knollen stark eingeschränkt, so dass die Hälfte sehr klein geblieben ist. Vermutlich war auch der Boden etwas zu schwer. Die Knoblauchpflanzen werden getrocknet und später zu Zöpfen geflochten.

Die Zwiebeln, die zwischen den Erdbeeren wachsen, nehmen mittlerweile zu viel Platz ein und behindern die Erdbeeren im Wachstum. Sie werden alle vorsichtig aus der Erde gezogen, obwohl das Laub noch nicht welkt. Trotzdem haben viele Zwiebeln für uns schon die richtige Größe. Sie werden wie der Knoblauch getrocknet und geflochten.

Die Erdbeerernte fällt immer sehr gering aus. Meistens nur 10-15 Früchte vom ganzen Feld. Viele tragen gar nicht. Ich knipse die Früchte behutsam ab. Sie sollen ihren kleinen Blätterhut noch behalten. So verlieren sie keinen Saft. Weil ich sie einfriere, bis ich genug für Marmelade zusammen habe, ernte ich nur die vollreifen Früchte. So wird der Brotaufstrich herrlich süß.

Die Johannisbeeren haben sich dunkelrot gefärbt. Traube für Traube wandert in den Behälter. Ab und zu landet auch eine im Mund. Sie schmecken himmlisch. Das gibt eine gute Konfitüre. Wir staunen, wie viele Früchte unsere beiden Sträucher tragen. Obwohl sie die letzten Jahre offenbar sehr verschnitten worden sind. Die Johannisbeeren machen Zwischenstation im Kühlschrank, bis sie eingekocht werden.

Von den Zucchini schneide ich die geöffneten, männlichen Blüten ab. Sie werden mit Frischkäse gefüllt und kurz frittiert.

Unser Wein ufert aus. Ein Rückschnitt ist bitter nötig. Außerdem brauchen die Trauben Licht. Die abgeschnittenen Reben werden handverlesen. Nur absolut unbeschädigte, makellose Blätter entgehen dem Kompost. Wir blanchieren sie und legen sie in Salzlake ein. Für gefüllte Weinblätter eignen sich alle Weinsorten, die auch zur Traubengewinnung genutzt werden.

Unsere Eimerkartoffeln lassen schon länger die Blätter hängen. Nun endlich ist Mittsommer, der Tag, an dem traditionell die ersten frühen Kartoffeln gegessen werden. Wir kippen die Eimer auf einer Folie aus. Die Erde kommt wieder auf die Beete. Unsere Eimer sind sehr klein, sie fassen nur zehn Liter. Trotzdem ernten wir Kartoffeln, die in meine Handfläche bedecken (und ich habe keine kleinen Hände). Die meisten Kartoffeln sind etwas kleiner. Die Ausbeute ist erwartungsgemäß nicht riesig. Die Eimer sind klein, wir haben kaum angehäufelt. Aber wir sind zufrieden. Besonders gut gefallen uns die roten Kartoffeln, eine Lagersorte.

Im Kartoffelbeet hat sich irgendein großes Tier niedergelegt. Jedenfalls sind vier oder fünf Pflanzen umgeknickt. Zum Glück betrifft es nur die Frühkartoffeln. Also ernten wir auch diese. Der Ertrag ist verhältnismäßig gering. Die Kartoffeln haben fast alle eine mittlere Größe, ich habe viele Augen dran gelassen. Aber es sind ziemlich wenige. Keine zehn mittlere Knollen pro Pflanze. Haben wir zu wenig gegossen? Ganz sicher haben wir zu wenig angehäufelt. Wir lassen uns die Kartöffelchen am Abend schmecken.

Egal, was wir auch alles falsch gemacht haben mögen. Wir haben geerntet, einen ganzen Nachmittag lang. Unser Kühlschrank ist gut gefüllt. Und es war noch längst nicht alles. Wir sind stolz. Es mag bei manchen Pflanzen kein Kunststück gewesen zu sein. Doch wir haben es geschafft. All die Mühen, alle Sorgen, alles Fluchen hat sich gelohnt. Wir sind dankbar für dieses wunderbare Geschenk.

Eure Majura

Verpasst nie wieder einen Artikel der Lindwurmfeste!

 

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Ein Gedanke zu “Harvest Moon – Die große Ernte

  1. birthesgartenzeiten schreibt:

    Viel wenig macht auch viel ;-). Das mit dem Sammeln kenne ich auch – erst tieffrieren und dann verarbeiten. Auf jeden Fall ist es verhältnismäßig viel Arbeit, diese recht kleinen Mengen vorzubereiten und zu verarbeiten. Die Eimerkartoffeln kannte ich bisher noch nicht – hört sich aber sehr interessant an :-). LG Birthe

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